Schwimmbad und Sportplätze: Offener Brief an SCO und DLRG

In diesem März 2011 sollte das neue Hallenbad in Betrieb genommen werden. Schwimmclub und DLRG in Oberursel erwecken den Eindruck, die OBG habe  den Um- und Neubau von Schwimm- und Hallenbad verzögert und sei überhaupt dagegen. Das stimmt nicht.

Die OBG wird sich weiterhin für ein bezahlbares Hallenbad einsetzen und hat bis jetzt überhaupt nichts verzögert. Ich weiß nicht, warum das Gedächtnis mancher Leute bei DLRG und SCO so kurz ist. Im September 2008 haben wir uns mit Vehemenz Ihren Vorstellungen angeschlossen, die Zeit bis zum Bau eines Hallenbads mit einer Traglufthalle zu überbrücken. Das müssen wir uns von den anderen Fraktionen bis heute als verrückte Idee vorhalten lassen. Als im November 2008 kaum absehbar war, wann mit dem Bau des neuen Hallenbad denn begonnen würde,  haben wir beantragt, das bestehende Hallenbad mit neuem Dachaufbau zu versehen, damit  es wenigstens bis zur Eröffnung des neuen weiterbetrieben werden könnte. Das hätte geschätzte 641.000 Euro gekostet, und es wäre zu keiner Unterbrechung des Schwimmbadbetriebes gekommen, denn die Umbauarbeiten hätten im Sommer abgewickelt werden können. Wir vier OBGler standen damit alleine auf weiter Flur. Ich höre noch heute den damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden tönen, das Stadtparlament sei doch nicht dazu da, dem SCO (gemeint war auch die DLRG) ein „Vereinsheim“, gemeint war das Hallenbad, zu finanzieren. Das mache man ja auch nicht bei anderen Sportvereinen.

Doch wie kam es zu den Verzögerungen beim Schwimmbad-Neu- und Umbau? Im März 2007 wurde ein Architektenwettbewerb für das neue Hallenbad ausgeschrieben mit der Maßgabe, dass Hallenbad, Umbau Schwimmbad und Gestaltung Freigelände nicht mehr als 10 Millionen Euro kosten dürften. Ich kann Ihnen die Unterlagen gerne zeigen. Als der Siegerentwurf nachberechnet wurde, stellte sich heraus, dass er die von ihm angegebene Kubatur von 19.250 Kubikmetern um fast 5.000 auf 24.100 überschritten hatte. Bei erneutem Nachrechnen waren wir plötzlich bei 33.600 Kubikmeter und geschätzten 19,0 Millionen Kosten. Das Stadtparlament reduzierte das dann auf 15 Millionen, indem der Architektenvorschlag verschlankt und die Sauna herausgenommen wurde. Die tatsächlichen Kosten werden wir aber erst nach der Ausschreibung wissen und die endgültigen nach der Fertigstellung. Glauben Sie mir: nach vielen Jahren im Stadtparlament weiß ich, dass nichts, was gebaut wird, unterhalb des Schätzpreises bleibt.

Der Verkauf von Parkplatz und Altkönigsportplatz wird vielleicht 15 Millionen Euro bringen, wahrscheinlich weniger. Es müssen ja von den Einnahmen auch Kosten abgezogen werden, unter anderem 1 Million bis 1,5 Millionen für einen neuen Sportplatz. Ob die Stadt den Differenzbetrag zu den tatsächlichen Schwimmbadkosten stemmen kann, weiß ich nicht. Es müssen ja auch die laufenden Betriebskosten mit 600.000 Euro Zuschussbedarf und die Abschreibungen, Zins- und Tilgungsleitungen bei aufzunehmenden Krediten einkalkuliert werden.

Und dann ist ja auch der Bebauuungsplan für das Schwimmbadgelände noch nicht in trockenen Tüchern. Bevor die Satzung nicht rechtskräftig ist, gibt es keinen Baubeginn. Es steht in den Sternen, was die Anwohner gegen den Bau unternehmen. Die OBG hilft ihnen nicht bei möglichen Verzögerungen. Am Ende aber warten alle jahrelang auf ein Hallenbad, das nicht kommt.  Wie gut wären doch die 641.000 Euro Dachsanierung angelegt gewesen, die DLRG, SCO, die 22 Schulen und täglich etwa 100 sonstige Badegäste über das Ausbleiben des neuen Hallenbads hinweggetröstet hätten!

Wir schlagen ein Hallenbad an der Stelle des bisherigen vor, das sich rasch verwirklichen lässt und preiswerter ist. Solche Hallenbäder sind in Systembauweise fertig geplant, anderswo bewährt mit kalkulierbaren Folgekosten. Schauen Sie mal nach beim erfahrensten Badbauer www.architekt-krieger.de . Der Bebauungsplan  muss nur geringfügig geändert werden und ist durch Anwohner kaum beklagbar. Die Ausstattung des Systembades ist ausreichend und garantiert, dass Schul- und Vereinssport sich entfalten können. Es reicht nicht zur Wettkampfstätte, aber das muss es auch nicht. Die Finanzierung hätte durchaus durch Verkauf von städtischem „Tafelsilber“ verwirklicht werden können, aber nicht des Altkönigsportplatzes. Die Stadt hat auch andere Grundstücke. Außerdem könnte sich die Haushaltssituation positiver als angenommen entwickeln. Die in den vergangenen Jahren von allen Stadtkämmerern an die Wand gemalten Haushaltsdefizite sind in den prognostizierten Höhen nie eingetreten.

Das Opfern des Altkönigsportplatzes steht für uns nicht zur Diskussion. Als CDU und FDP das erstmals im Januar 2007 beantragten, haben wir zusammen mit Bündnis 90/Die Grünen und SPD entschieden abgelehnt. Es müssen andere Möglichkeiten der Finanzierung des Hallenbades gefunden werden. Schon der Verkauf des Parkplatzes ist ein Unding, weil an schönen Tagen alles zugeparkt sein wird und permanenter Ärger mit den Anliegern vorprogrammiert ist, und zwar ganz besonders mit den neuen Anwohnern, wenn sie die teuren Grundstücke ehemaliger Park- und Altkönigsportplatz erworben haben und nun mit Recht ein ruhiges Plätzchen erwarten. Aber wenn es sein muss. Der Parkplatzverkauf würde zumindest den auf 2,5 Millionen Euro geschätzten Freibadumbau finanzieren.

Dass der Altkönigsportplatz sanierungsbedürftig ist, steht außer Zweifel. Aber auch Leichtathletik gehört zu den Sportarten, die jeder lernen  sollte, um gesund durchs Leben zu kommen. Das aber kann man nicht in der Halle lernen, sondern nur im Freien. Trockenschwimmen führt ja auch nicht zum Schwimmen. Der Altkönigsportplatz wird nach Renovierung auch für den Schul- und Vereinssport wieder attraktiver. Leute, die die Halle leid sind, auch Sportlehrer, werden wieder ins Freie gehen. Wenn sie von der Hans-Thoma- und Urselbachschule oder der Grundschule Mitte jedes Mal in die Bleibiskopfstraße wandern müssen, ist die Sportstunde herum. Das macht dann keiner mehr. Zum Altkönigsportplatz ist es nahe.

Einen neuen Sportplatz ähnlicher Ausstattung irgendwo hinzustellen, ist illusorisch, selbst an Stellen, wo schon umbaubare Plätze existieren, wie etwa an der Feldbergschule oder auf der Stierstadter Heide. In beiden Fällen wäre mit erheblichen Einsprüchen und Klagen von Nachbarn zu rechnen. An der Bleibiskopfstraße neben der Erich-Kästner-Schule Gelände für einen Sportplatz erwerben zu wollen, ist eine schöne Vorstellung angesichts des breit gestreuten Grundeigentums an dieser Stelle mit durch Erbteilung entstandenen schmalen Grundstückshandtüchern. Ein renitenter Grundstücksbesitzer von den vielleicht 20, die überzeugt werden müssten, genügt, das Projekt auf Jahre zu verzögern. Und ein Verkauf zu den von der öffentlichen Hand gebotenen Quadratmeterpreisen lohnt sich wirklich nicht, wenn man hofft, dass es irgendwann zu Bauland werden könnte.

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Über Christoph Müllerleile

Ich bin Stadtverordneter der Oberurseler Bürgergemeinschaft (OBG) in Oberursel (Taunus).
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